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Klassische Konditionierung und Drogengedächtnis

Kategorien: Forschung

Aus der Schulzeit ist sicherlich noch vielen der Pawlowsche Effekt ein Begriff. Gilt es das Drogengedächtnis zu verstehen, sollte man sich dieses Experiment sowie die klassische Konditionierung ins Gedächtnis rufen.

Das Gehirn unter Drogen – Dokumentation

Klassische Konditionierung

Bei der klassischen Konditionierung werden unbedingte Reize und Reaktionen mit einem neutralen Reiz kombiniert. Beim Pawlowschen Experiment war der unbedingte Reiz das Hundefutter, denn die Vierbeiner mögen dieses Futter, ohne dass sie es erlernen müssen. Als unkonditionierte Reaktion wird dabei der Speichelfluss angeregt – der Hund beginnt mit sabbern. Dazu wird nun ein neutraler Reiz kombiniert, mit dem das Tier nichts verbindet. Bei Pawlow war das ein Glockenton, bei dem der Hund zwar die Ohren spitzt, aber nichts Bestimmtes erwartet. Nun wurde in der Lernphase das Glockenläuten immer bei der Vergabe des Fressens abgespielt. Als Ergebnis dieser Konditionierung sabberte der Hund später auch, wenn nur die Glocke klingelte, aber kein Fressen in der Nähe war. Begründet wurde diese Lerntheorie von dem russischen Psychologen Iwan Petrowitsch Pawlow. Die Konditionierung kann weiterhin in exzitatorisch und inhibitorisch unterteilt werden. Jedoch reicht das Pawlowsche Beispiel bereits, um den Lerneffekt von Drogenabhängigen zu verstehen.

Das Drogengedächtnis

Bei einer Suchterkrankung wird das menschliche Gehirn konditioniert, wodurch sich das so betitelte Drogengedächtnis herausbildet. Beim Konsum von Drogen wird im limbischen System das Hormon Dopamin vermehrt ausgeschüttet, welches in diesem Fall für Wohlbefinden sorgt und in gewisser Weise das Gefühl von Belohnung hervorruft. Dieses positive Gefühl prägt sich beim Betroffenen ein und fördert das Verhalten abermals nach Drogen zu greifen, um den positiven Effekt erneut zu verspüren. Durch die klassische Konditionierung stellt sich der Körper dann bereits auf die Drogen ein, wenn bestimmte, vorher neutrale Reize auftreten, die mit der Einnahme verknüpft wurden. Hat jemand beispielsweise das erste Mal einen positiven Rausch bei einer bestimmten Musik erlebt, wird der Impuls Drogen zu nehmen, bei dieser Musik in der Regel wieder aufkommen. Bei manchen Drogen reicht tatsächlich ein einmaliger Konsum, um abhängig zu werden. Dazu kommt, dass sich der Körper an die Drogen gewöhnt und der Stoff deswegen schneller abgebaut wird. Aus diesem Grund steigt die Dosis bei Abhängigen.

Langzeitwirkung

Das Drogengedächtnis ist gar nicht so leicht wieder löschbar. Deswegen kommt es bei ehemaligen Abhängigen nicht selten vor, dass bestimmte Situationen (in denen früher Drogen konsumiert wurden) sie in einen regelrechten Rausch versetzen, obwohl sie nüchtern sind. Untersuchungen per fMRT zeigen dann eine erhöhte Aktivierung im Gehirn bei vorher neutralen Reizen. Der Mensch wurde also auf die gesamten Umstände der Drogeneinnahme konditioniert.

Neue Studien

Dass nun also das Gehirn von Drogenabhängigen Veränderungen aufweist, gilt als bewiesen. Jedoch sind sich Forscher noch nicht einig, ob das Gehirn auch potentielle Biomarker enthält, die eine Drogensucht begünstigen und die im besten Fall bereits in der Jugend erkannt werden. Erste Studien mit Geschwistern ließen Vermutungen aufkommen, dass Menschen, die zu einer Sucht neigen ein Problem mit der Impulskontrolle hätten. Das drogenabhängige Geschwisterteil brauchte, im Vergleich zum gesunden, in den Experimenten wesentlich länger, bis ein Reiz vom Gehirn z. B. in die Hand weitergeleitet wird.